Diese Website nutzt Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Website navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr

Einige dieser Cookies sind technisch zwingend notwendig, um gewissen Funktionen der Website zu gewährleisten.

Darüber hinaus verwenden wir einige Cookies, die dazu dienen, Informationen über das Benutzerverhalten auf dieser Website zu gewinnen und unsere Website auf Basis dieser Informationen stetig zu verbessern.

Die Kulturliga zur Lage der Konzert- & Clubkultur in der Coronakrise

Die Kulturliga e.V. ist ein Dachverband regionaler Konzertveranstalter_innen und Live-Spielstätten. Mitglieder sind: Café Kaya e.V, Club Nasty, Club Stereo, Die Rakete, Eat The Beat e.V., E-Werk Erlangen, Haus 33, Kulturkellerei, Kulturort Badstraße 8, Kunstkeller o27 e.V., Kunstverein Hintere-Cramergasse e.V., Mata Hari Bar, MUZclub, nbg breaks e.V., Stadtteilzentrum Desi, Z-Bau.

Ausgangslage

Eine kurzfristige Studie der LiveKomm, des Bundesverbandes der Live-Spielstätten in Deutschland, vom 25.03.2020 besagt, dass durch die Coronakrise allein bis dahin 1.160 Clubs ihre Live-Veranstaltungen absagen oder verschieben mussten. Nicht mit eingerechnet sind dabei die zahlreichen Clubnächte, Lesungen, Poetry-Slams etc. Allein im Live-Musikbusiness entspräche das 15.000 Shows und Umsatzeinbußen von 34 Mio. Euro pro Monat. Weitere Zahlen der Studie belegen Umsatzeinbußen von 3.652,5 Mio. Euro für sechs Monate bei Agenturen und 684 Mio. Euro für Festi- vals im gleichen Zeitraum.

Ohne Frage ist der Kultursektor einer der am schwersten betroffenen Wirtschafts- zweige der Coronakrise. Grundlage aller Geschäfte ist hier die Gemeinschaft und der Kontakt von Menschen. Daher wurde dieser Bereich als einer der ersten komplett heruntergefahren und ihm wird wohl auch als einer der letzten erlaubt sein wieder zu öffnen. Nicht nur wir als Spielstätten sind davon akut existenziell bedroht, sondern auch alle damit verbunden Gewerke wie Sicherheits- und Reinigungsunternehmen, freie Veranstaltungstechniker_innen und Verleihfirmen, Vorverkaufstellen, Brauereien und Getränkehändler_innen, Agenturen und nicht zuletzt und vor allem Künst- ler_innen, Musiker_innen und Bands. Ihnen allen wurde plötzlich und völlig unver- schuldet die Geschäftsgrundlage entzogen. Dabei handelt es sich bei den meisten auch um die Lebensgrundlage, die selbst aufgebaute Existenz, den „eigenen Laden“, also um ganz persönliche und existenzielle Dinge.

Handlungsbedarf

Was allen helfen würde, sind finanzielle Mittel, gestaltet als Förderungen oder Sub- ventionen – nicht als Darlehen, denn Konzerte können nicht einfach doppelt abgehal- ten werden. Die finanziellen Einbußen sind faktisch nicht regenerierbar. Die Stadt Nürnberg hat mit dem „Bündnis für Kultur“ nun einen ersten Ansatzpunkt zur finanziellen Unterstützung für freiberufliche Künstler_innen geschaffen – die Kritik daran ist von vielen Seiten groß und teilweise auch nachvollziehbar. Angesichts der Höhe der von der Sparkassenstiftung Nürnberg zur Verfügung gestellten Summe von 25.000 € als Sockelbetrag, aber auch vor dem Hintergrund, dass die Stadt Nürnberg selbst aus eigenen Mitteln bislang noch kein Hilfspaket geschnürt hat. Dadurch wachsen die Sorgen und es entsteht der Eindruck, dass das „Bündnis für Kultur“ kein ernstge- meintes Hilfsprogramm darstellt.

Es muss allen klar sein: die freie Kulturlandschaft ist massiv bedroht und braucht Un- terstützung. Ohne diese Kultur ist keine Kulturhauptstadt denkbar, die den Namen verdient. Auch nach Covid-19 werden wir uns in einer gefühlten Dauerquarantäne befinden, wenn weite Teile unserer Kulturschaffenden und Kulturorte verschwunden sind, weil wir ihnen die nötigen Hilfsmaßnahmen vorenthalten haben. Unabdingbar ist also dem Vorbild von Städten wie Leipzig, Köln, Braunschweig oder Hannover zu fol- gen und ein starkes, von Bund und Land Bayern unabhängiges und zusätzliches Hilfspaket für die Kulturszene der Metropolregion auf den Weg zu bringen, denn klar ist: Diese Unterstützungen werden alleine nicht reichen und können nicht dezidiert auf die Gegebenheiten vor Ort eingehen. Für die Konzeption dessen bietet die Kultur- liga ihre Mithilfe an.

Weitere Lösungsansätze

Es wäre naiv zu glauben, die komplette Szene, ihre Arbeitsplätze, ihre Macher_innen können mit einem groß angelegten Spendenaufruf gerettet werden. Die Betriebe und Akteur_innen selbst tun sicherlich ihr Möglichstes diese Phase zu überstehen, bitten ihre Gäste um Solidarität, um Unterstützung, sparen wo es nur geht, versuchen neue Geschäftsfelder zu erschließen und hoffen. Dieser Szene, die ohnehin schon mit ver- gleichsweise zu geringen finanziellen Mitteln auskommt, kann zusätzlich noch mit verhältnismäßig einfachen (lokal-)politischen Mitteln und Maßnahmen kurz- und mit- telfristig geholfen werden. Forderungen, die schon lange bestehen, sollten in der ak- tuellen Krise erneut geprüft werden, um verschiedene Facetten der Konzert- und Clubkultur zeitlich begrenzt oder im Idealfall dauerhaft zu unterstützen.

Nach dem Shutdown kann nicht einfach geöffnet werden als ob nichts gewesen wäre. Um die massiv geschwächte Konzert- und Clubkultur wieder anzukurbeln sollten:

  • ...die Öffnungszeiten für Außenbereiche überprüft werden. Längere Öffnungs- zeiten ermöglichen der Gastronomie, die direkt mit den Spielstätten verbun- den ist, weitere Einnahmequellen.

  • ...die viel diskutierte „Putzstunde“ um 5 Uhr morgens erneut auf den Prüfstand gestellt werden. Clubs werden für Gäste attraktiver, wenn die Möglichkeit be- steht, diese länger (oder erst später) aufzusuchen. Die Eintrittseinnahmen und gastronomischen Einnahmen steigen dadurch. Auch wenn Argumente für die Putzstunde und gegen deren dauerhafte Abschaffung sprechen, könnte zu- mindest die Bewilligung von Ausnahmegenehmigungen in begründeten Ein- zelfällen erleichtert werden.

  • ...bereits bewilligte Fördergelder der öffentlichen Hand in voller Höhe ausbe- zahlt und institutionelle Förderungen auch in den kommenden Jahren nicht gekürzt sondern erhöht werden.

  • ...steuerliche Erleichterungen geschaffen werden. Aktuell wird auf Bundes- ebene eine Absenkung der Umsatzsteuer von 19% auf 7% als Unterstüt- zungsmaßnahme für die Gastronomiebranche diskutiert. Diese Maßnahme befürworten wir ausdrücklich. Zudem wäre ein sinnvoller Ansatzpunkt, Ein- trittserlöse aus allen Veranstaltungen ebenfalls lediglich mit 7% zu besteuern. Dadurch bliebe effektiv mehr Nettoertrag direkt bei den Veranstaltungsorten und Veranstalter_innen hängen.

  • ...die Regelungen der sogenannten Stillen Feiertage gelockert werden. Auch hier besteht konkretes Potenzial für die Szene an neun zusätzlichen Tagen weitere Einnahmen zu erzielen und dem Bild einer modernen und urbanen Großstadt zu entsprechen.

  • ...die Rahmenbedingungen für Besucher_innen erleichtert werden. Eine Part- nerschaft mit VGN bzw. VAG könnte Gästen von Konzert- und Clubveranstal- tungen mit entsprechendem Ticket zur kostenlosen Nutzung des ÖPNVs be- rechtigen, wie es bei Veranstaltungen der Hochkultur und beim Sport längst gängig ist. Dies würde zudem erheblich zur nächtlichen Verkehrssicherheit und Ruhe beitragen.

  • ...Plakatflächen (z.B. der Stadtreklame, an VAG-Wartehäuschen) gratis oder stark vergünstigt zur Verfügung gestellt werden. Diese sind aufgrund ihrer Kosten für kleinteilige Kulturformate sonst kaum zugänglich, sodass diese im öffentlichen Raum fast gänzlich unsichtbar sind.

  • ...städtische Gebühren zur Müllentsorgung, Gewerbesteuer, Grundsteuer o.ä. ausgesetzt werden.

    Es gibt noch zahlreiche weitere Ideen und Möglichkeiten um im Rahmen der lokalpo- litischen Möglichkeiten die Kultursparte zu unterstützen. Wieder stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage: Könnte nicht die schon seit langem geforderte und viel diskutierte Position eines/r Nachtmanager_in behilflich sein, um Bedarfe von Kul- tur, Gastronomie und Nachtleben zusammen mit Politik und Verwaltung zu verhan- deln? Auch hier appellieren wir diesen Schritt energisch weiterzuverfolgen

    Ausblick

    Die Kulturliga ist sich der schweren Situation bewusst, denn sie sieht die existenzielle Bedrohung von Kultur im Allgemeinen und Einzelschicksalen im Speziellen. Ihre Mit- glieder hoffen darauf, dass gewählte Vertreter_innen und städtische Bedienstete auch in diesem Fall den Kurs der pragmatischen Lösungsfindung einschlagen, büro- kratische Hürden vermeiden und schnell und effizient aktiv werden. Es besteht jetzt die Möglichkeit wie auch die historische Notwendigkeit der Bedeutung von Kultur Ausdruck zu verleihen, die in den vergangen Jahrzehnten so oft beschworen wurde als sie noch nicht derart bedroht war. Für weitere Gespräche und Konkretisierung der genannten Vorschläge stehen die Vertreter_innen der Kulturliga jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Das Statement der Kulturliga wird unterstützt von folgenden Veranstaltungsorten, Veranstalter_innen, Gruppen, Vereinen und Initiativen:

Die Kulturliga-Mitglieder:

Café Kaya e.V.
Club Stereo Stadtteilzentrum Desi Eat-The-Beat e.V.
Haus 33
Kulturzentrum E-Werk KulturKellerei
Kulturort Badstraße 8
Fürth Kunstkeller o27 e.V.
Kunstverein im Z-Bau
Mata Hari Bar
MUZclub
Nasty Entertainment
Die Rakete
nbg-breaks e.V.
Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur

Die weiteren Unterstützer_innen:

Downtown Bar, Nürnberg
Heizhaus / Quellkollektiv e.V.
Urban Lab
Verband für Popkultur Bayern e.V.
Team Büro (HipHop Veranstalter, Agentur, Label, Nürnberg)
Initiative Kunst Braucht Raum
Trouble In Paradise (Veranstalter_innen Kollektiv)
Tante Betty Bar Nürnberg
Brückenfestival e.V.
Parvenue (Soziokultur/Musik/Kommunikations-Agentur, Nürnberg)
Protestgarten Fürth
Navigator Productions (Konzert- und Festivalveranstalter)
Musikverein e.V. (Nürnberg)
It Isn‘t Happening (Festival, Veranstalter_innen)
Sänders e.V.
Katana e.V.
Lass Weng Flown (HipHop-Veranstalter, Nürnberg)
Pechschwarz (Konzertveranstalter_innen, Nürnberg)
Blues Will Eat e.V.
Pop! Rot Weiss, Popularmusikberatung Bezirk Mittelfranken
Katharina Mock (Poetry Slam Veranstalterin Erlangen/Nürnberg)
Burgtheater Nürnberg
Krupski (Autor, Musiker, Veranstalter)
Jan Hagemann (DJ & Veranstalter, Nürnberg)
Ric Stüber (DJ & Veranstalter, Nürnberg)
Moritz Richter (freier Veranstalter, Die Rakete Booking UG)
Andreas Basner & Lisa Renz-Hübner (Lokale Leidenschaften / Radio Z)
Thomas Wurm (DJ, Musiker, Veranstalter, Nürnberg Pop Festival)
Bird Berlin (Musiker, Künstler, Veranstalter)
Agentur Zeitvertreib (Eventagentur, Nürnberg)
Obacht Agentur (Booking, Events, KulturAgentur, Erlangen)
Peter Gruner (Musiker, Jazz im E-Werk Booker, Journalist, Erlangen)
Karsten Barnett (Veranstalter, Schallplattenfachhandel, Kulturaktivist)
Rock City News (Magazin)
Carsten Bunnemann (Fotograf / Konzertfotografie, Erlangen)
Schwarzfunk (Radio Z)
Bunkersyndikat
Disko Jakuzzi / Xylotrip
Nürnberg Pop Festival/Wild2000 (Festival, Agentur)
mono-Ton (Tonträger & Hifi, Nürnberg)
Jan Bratenstein (Veranstalter, The Black Elephant Band)
Mui Mui Musik (Event Kollektiv)
We All Die Worse (DJ-Kollektiv/Veranstalter)
FUZZ over Nuernberg (Veranstalter)
Curt Magazin Nürnberg