"Im E-Werk kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen."

Interview mit Julie Mildenberger (Dritte Welt Laden Erlangen)

Wie lange kennst Du das E-Werk schon?
Das E-Werk kenne ich schon sehr lange. Ich komme aus Erlangen und war auch schon damals in der Pupille und im Sesam. Meine ersten Konzerterfahrungen habe ich in der Pupille gemacht. Damals bin ich sehr viel auf Folk- Konzerte gegangen. Man kann sagen, ich habe das E-Werk immer durch die ganzen Jahre hindurch begleitet. Und jetzt gehe ich auch ab und zu noch auf Konzerte, aber vor allem arbeite ich schon lange regelmäßig bei Veranstaltungen im E-Werk mit.

Was ist das Besondere am E-Werk?
Nachdem ich hauptsächlich als Mitveranstalterin im E-Werk unterwegs bin, ist für mich das wirklich Besondere am E-Werk, dass ich hier die Möglichkeit habe, auch etwas unkonventionellere Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Im E-Werk können wir Dinge machen, die mit einem normalen, kommerziellen Veranstalter kaum möglich wären. Ich arbeite bei solchen Sachen immer eng mit Verena Bäumler vom E-Werk- Programm-Team zusammen, die uns immer sehr unterstützt. Das ist allgemein auch das Besondere am E-Werk: Die vielen Mitarbeiter, die genau wissen, was man für eine Veranstaltung braucht und die immer offen sind, neue Ideen umzusetzen.

Was meinst Du mit „unkonventionellen“ Veranstaltungen?
Damit meine ich zum Beispiel so etwas wie Veranstaltungen, bei denen wir einen Film zeigen und dazu eine Kleidertauschaktion organisieren. Oder die Inklusions-Film-Reihe mit der Aktion Mensch, bei der ein Gebärden-Dolmetscher dabei war. So etwas lässt sich im E-Werk sehr gut durchführen. Ich finde das immer eine tolle Art der Zusammenarbeit, so unkompliziert und gleichzeitig professionell. Gerade die Veranstaltungen, die ich plane sind oft auch mit relativ viel Spontanität und Improvisation verbunden, weil man dafür manchmal auch Sachen benötigt, die es normalerweise nicht einfach so gibt. Und da habe ich im E-Werk immer gute Erfahrungen gemacht und wurde wunderbar unterstützt. Und ich denke, auch das E-Werk profitiert auf der anderen Seite von uns, vom Dritte Welt Laden, weil wir viele Ideen einbringen. Und das ist schön, wenn diese Ideen dann umgesetzt werden können, auch wenn die Anfragen von uns auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich erscheinen.

Welchen Stellenwert hat das E-Werk für Erlangen?
Das E-Werk ist für Erlangen wirklich unverzichtbar. Gerade wenn ich jetzt zum Beispiel noch einmal auf die besagte Filmreihe in Zusammenarbeit mit Aktion Mensch zurückkomme: Hier war für uns das Thema „Barrierefreiheit“ im weitesten Sinne das Ausschlaggebende. Für mich ist Barrierefreiheit zum Beispiel auch eine Frage des Eintrittspreises. Man muss ein Angebot an Kultur ermöglichen, das wirklich für jeden zugänglich ist. Und das ist in Erlangen vor allem auch im E-Werk möglich. Natürlich gibt es dort auch Veranstaltungen, die einen schon sehr heftigen Eintrittspreis haben. Aber das muss das E-Werk auch machen, um sich die anderen Angebote leisten zu können. Damit jeder, unabhängig vom Einkommen, einen Zugang zu Kultur hat. Und im E-Werk gibt es so gut wie immer auch einen Raum dafür, an Kultur teilzuhaben, ohne viel dafür bezahlen zu müssen. Das ist für mich eine ganz wichtige Sache und das eine, was das E-Werk unverzichtbar für Erlangen macht.

Und das andere?
Das andere ist auf jeden Fall die große Vielfalt und Offenheit bei den Veranstaltungen. Dadurch kommen im E-Werk ganz unterschiedliche Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie so begegnen würden: Alte Menschen, junge Menschen, Menschen, die eher bürgerlich sind und andererseits wieder Menschen, die nicht so angepasst sind. Sie alle treffen im E-Werk zusammen und kommen ins Gespräch. Das erlebe ich auch selbst immer wieder bei den Veranstaltungen, die wir hier durchführen. Für uns ist es ein wichtiges Kriterium, mit dem E-Werk zusammen zu arbeiten. Wir bewegen uns mit dem Dritte Welt Laden ja immer in einem Kreis von bestimmten, politisch engagierten Leuten. Und durch die Zusammenarbeit mit dem E-Werk erreichen wir auch völlig andere Menschen mit unseren Themen.

Was glaubst Du ist der Grund dafür, dass dieser Austausch und die Durchmischung beim Publikum im E-Werk stattfinden?
Zum einen ist dafür natürlich die tolle zentrale Lage des E-Werks ausschlaggebend. Man hat die verschiedensten Möglichkeiten, dort hin zu kommen: Mit dem Bus, mit der Bahn, mit dem Auto, mit dem Fahrrad, zu Fuß – wie auch immer. Und natürlich muss man, und das macht das E-Werk sehr gut, immer wieder neu überlegen, welche Angebote welche Besucher brauchen und dafür dann die entsprechenden Dinge planen. Das Programm ist vielfältig und alle können sich irgendwo angesprochen fühlen. Und nicht zuletzt ist es auch nicht unwichtig, dass es im E-Werk gutes Essen und Trinken gibt (lacht).

Was war Dein schönstes Erlebnis im E-Werk?
Puh, das fällt mir sehr schwer, zu beantworten. Wir haben in den letzten Jahren so eine Fülle an tollen Veranstaltungen im E-Werk durchgeführt, die ich immer noch in Erinnerung habe. Aber besonders eingeprägt hat sich bei mir zum Beispiel die Auftakt-Veranstaltung für das Film-Festival, von dem ich eben schon erzählt habe. Wieder Thema Inklusion: Der Poetry Slamer Lukas Fassnacht hat einen grandiosen Slam hingelegt. Und mindestens genauso beeindruckend war die Gebärden-Dolmetscherin, die das Ganze in Echtzeit in einem unglaublichen Tempo mit übersetzt hat. So etwas gibt es so gut wie nie und das war einfach großartig! Wir haben das speziell in Hinblick auf einen der gezeigten Filme organisiert. In dem Film ging es um eine taubstumme junge Frau aus Israel, die dann zusammen mit einer Palästinenserin ihre Performance macht. Das war ein sehr eindrückliches Erlebnis für mich, das ich im E-Werk hatte.

Was wünschst Du dem E-Werk zum Geburtstag?
Ich wünsche dem E-Werk weiterhin diesen Schwung und die Bereitschaft dafür, Veranstaltungen durchzuführen, die nicht unbedingt Mainstream sind. Und was ich mir besonders wünschen würde ist, dass dem E-Werk dieser finanzielle Druck ein bißchen genommen wird. Dass man nicht mehr so viele Großveranstaltungen des Geldes wegen durchführen muss, sondern sich auch auf die manchmal klein wirkenden, aber die eigentlich wichtigen Dinge konzentrieren kann. Ich denke, die Arbeit vom E-Werk sollte unabhängig von Einnahmen sein und dazu braucht es einfach eine solide finanzielle Ausstattung.

Vielen Dank für das Gespräch!