"Im E-Werk hat jeder seinen Platz."

Interview mit Christian Emmel (Sänger der Band #zweiraumsilke)

Wie lange kennst Du das E-Werk schon?
Mit 15 war ich zum ersten Mal auf einem Konzert im E-Werk. Das ist jetzt sieben Jahre her. Damals bin ich mit meinem besten Freund eineinhalb Stunden mit dem Zug nach Erlangen gefahren, um die Berliner Band „Blockflöte des Todes“ und den fränkischen Singer/Songwriter Gymmick zu hören.

Kannst Du Dich noch an deinen ersten Eindruck vom E-Werk erinnern?

Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern! Das Konzert fand damals in der Kellerbühne statt und es hatte total viel Flair dort. Es gab ja nur Gitarre und Gesang, alle Leute saßen drum herum, es war restlos ausverkauft und trotzdem eine absolut gemütliche Atmosphäre, nette entspannte Leute und ein genialer Konzertabend. So einen Raum für ein Konzert hatte ich vorher noch nie gesehen! Das war mein erstes Konzert-Erlebnis im E-Werk. Einige Jahre später war ich dann schon richtig regelmäßig im E-Werk bei den verschiedensten Konzerten, Fußball-Schauen am Wochenende und auch immer schon bei den Veranstaltungen mit offener Bühne.

Damals bei Deinem ersten E-Werk Besuch konntest Du Dir wahrscheinlich überhaupt noch nicht vorstellen, dass Du irgendwann einmal selbst im E-Werk auf der Bühne stehen würdest…
Das stimmt! Damals hatte ich gerade erst angefangen, selbst Musik zu machen, noch in der Garage geprobt und noch keinen Gedanken daran verschwendet. Letztes Jahr stand ich dann das allererste Mal mit meiner Band auf der Bühne im E-Werk – und gleich im großen Saal! Das war bei einem Empfang des Bürgermeisters für Flüchtlingshelfer. Das war für uns sehr aufregend und irgendwie lustig und auch ein bißchen schräg.

Warum schräg?

Deswegen, weil damals gleichzeitig mit unserem Auftritt das Buffet in einem anderen Raum eröffnet wurde. Da hatten wir dann leider sehr wenige Zuhörer! Doch genau eine Woche später waren wir dann schon bei Egers Calling – auch wieder im großen E-Werk Saal – zu Gast. Selbe Bühne und dieses Mal ein Saal voller Leute, die uns alle gespannt zuhörten. Wir waren wirklich hundsnervös, vor so vielen Leuten auf einer so großen Bühne zu stehen, auf der sonst die ganz Großen spielen. Ein wirklich fast surreales, tolles Gefühl! Aber das lief dann sehr gut und der erste Auftritt war eigentlich im Nachhinein wie eine Art Generalprobe dafür.

Seid Ihr nach diesen beiden Abenden noch weitere Male im E-Werk aufgetreten?
Ja, wir waren dann noch drei weitere Male da, also insgesamt fünf Mal, was für einen Zeitraum von eineinhalb Jahren wirklich ordentlich ist (lacht). Beim Konzert Benefiz für E.F.I.E. haben wir gespielt, dann natürlich beim legendären Newcomer Festival, bei dem wir den ersten Platz belegt haben. Und vor ein paar Wochen haben wir auch unsere CD-Release-Party im E-Werk gefeiert. Uns verbindet also sehr viel mit dem E-Werk.

Was ist für Dich das Besondere am E-Werk?
Das Besondere am E-Werk ist für mich eine gelungene Mischung aus zwei Dingen: Zum einen die tollen, großen Konzerten, wegen denen die Leute extra auch von weiter her nach Erlangen kommen. Hier hat das E-Werk wirklich ein Händchen für großartige Bands. Jetzt gerade habe ich mir auch schon wieder Karten weit voraus im Vorverkauf gesichert, zum Beispiel für das Eat This Festival. Und ich freue mich auch schon total auf Trombone Shorty. Das sind tatsächlich immer wieder echte Größen, die da in eine Stadt wie Erlangen kommen. Auf der anderen Seite gibt es im E-Werk aber auch die kleineren charmanten Sachen wie zum Beispiel das Kino, das echt witzig ist oder zum Beispiel die Saitenwechsel-Abende, bei denen jeder auf die Bühne gehen kann um Musik zu machen. Früher habe ich die schon gerne als Gast besucht und seit einiger Zeit darf ich sie auch moderieren, was mir sehr viel Spaß macht. Das Besondere am E-Werk ist also, dass hier jeder seinen Platz hat: Die Pop-Größen, die große Konzertsäle füllen genauso wie Nachwuchsmusiker, die zum allerersten Mal auf einer Bühne stehen. Und alle haben einen entspannten und freien Rahmen, ihre Musik zu machen. Und dafür hat Erlangen auch ein sehr offenes, angenehmes Publikum, das sich im E-Werk gerne immer wieder auf neue Musiker einlässt.

Mittlerweile seid Ihr ja auch schon weit über die Grenzen hinaus mit #zweiraumsilke unterwegs und gerade als neue Band in aller Munde. Wie ist es, auch im Vergleich zu anderen Locations, im E-Werk auf der Bühne zu stehen?
Also auf jeden Fall finde ich den Backstage-Bereich sehr cool (lacht). Am allerliebsten mag ich die Clubbühne, wo wir jetzt ja auch unser Release-Konzert hatten. Sie ist für kleinere, intimere Konzerte genau perfekt. Wenn wir irgendwann vielleicht einmal noch mehr Zuschauer ziehen, wäre es aber natürlich auch ein Traum, auf der großen Saal-Bühne zu spielen.

Du bist ja sehr aktiv in der Musik-Szene der Region. Welchen Stellenwert hat das E-Werk in Erlangen hierfür?

Das E-Werk ist auf jeden Fall eine Art Szene-Treff. Jedes Mal, wenn ich hier bin, unterhalte ich mich mit Musikern, treffe andere Bands vom Newcomer Festival und auch Leute von größeren Bands, die ebenfalls auch als Gäste ins E-Werk gehen. Im E-Werk werden Musiker in jeder Hinsicht gefördert. Zum Beispiel so wie wir damals unterstützt wurden. Ohne das E-Werk wären wir nicht so weit gekommen, wie wir es jetzt sind. Lorena, die sich um die Nachwuchsförderung im E-Werk kümmert, hat uns damals angesprochen, dass wir uns beim Newcomer Festival bewerben könnten. Und dann war das ja wirklich sehr erfolgreich. Und auch wir können wiederum jüngeren Bands helfen.

Wie zum Beispiel?

Indem wie sie zum Beispiel zur offenen Bühne beim Saitenwechsel einladen. Da habe ich mich schon öfter mit jungen Musikern unterhalten, die sich noch nicht sicher sind, ob das, was sie machen, bühnentauglich ist. Da versuche ich und versuchen auch die Leute vom E-Werk immer zu unterstützen. Das E-Werk versteht es ziemlich gut, junge Leute zu motivieren, dass sie Musik machen. Auch, weil hier die Möglichkeiten, vor Publikum zu spielen, so niedrigschwellig sind. Hier traut man sich, die Leute anzusprechen, weil wirklich alle sehr nett sind. Erlangens Musik-Szene braucht das E-Werk unbedingt. Gerade in einer Studentenstadt wie Erlangen gibt es unglaublich viel Potenzial. Und damit das genutzt werden kann, brauchen wir die Räume und die Leute im E-Werk ganz dringend!

Also gibt es in Erlangen viele Nachwuchsmusiker?
Oh ja, da gibt es sehr viele. Ich habe gerade jetzt erst auf dem letzten Saitenwechsel eine junge Band kennengelernt. Eine coole, junge Truppe mit sehr vielen Mitgliedern, so wie wir auch. Und sie covern große Popsongs in einer 20er/30er Swing/Rock ’n Roll-Version – echt genial! Die Leute haben echt Bock, was auf die Beine zu stellen. Da sieht man, dass hier der Wille da ist, noch mehr zu machen. Und, dass es unbedingt Möglichkeiten für die Nachwuchsförderung braucht, wie sie das E-Werk zum Beispiel beim Newcomer Festival bietet.

Was wünschst Du dem E-Werk zum 35. Geburtstag für die Zukunft?
Insgesamt wünsche ich, dass das E-Werk genau da weiter machen kann, wo es seit vielen Jahren sehr viel in die Nachwuchsförderung investiert. Dass das E-Werk das Angebot für junge Menschen, selbst Musik zu machen, so weiterführen und vielleicht sogar noch weiter ausbauen kann. Dass es das E-Werk weiterhin schafft, solche Musikgrößen nach Erlangen zu holen. Dass die vielen netten Zuhörer dem E-Werk auch weiterhin erhalten bleiben. Und, dass sich die Zuschauer insgesamt auch noch mehr für die vielen tollen kleinen Projekte interessieren, die hier laufen und immer offen für neue Musiker sind.

Vielen Dank für das Gespräch!